Leben im Condo – The Filipino Dream?

Wer sich bereits länger auf den Philippinen aufhält, wird es mit Sicherheit bereits festgestellt haben. Es wird gebaut, als gäbe es keinen Morgen. Apartmentblocks und Condo-Tower sprießen wie die Pilze aus dem Boden.

Condo – Fluch oder Segen?

Nachdem ich bereits über die Kosten des Lebens im Condo berichtet habe, möchte ich hier einmal genauer darauf eingehen.

Inzwischen ist es fast egal, wohin man schaut. Es wird überall gebaut. Zumindest in Metro Manila gibt es gefühlt alle 500 Meter eine Mall, in deren unmittelbarem Umfeld sich auch eine Condo-Anlage befindet. Diese besteht oftmals aus mehreren Towern und beinhalten nicht selten über eintausend(!) kleine Wohnungen.

Leider ist es inzwischen so weit, dass selbst in den Provinzen die wunderschönen Landschaften völlig verbaut werden, um Platz für die steigende Bevölkerung, beziehungsweise der steigenden Mittelschicht zu schaffen.

Es scheint so, als wäre das Leben in einem Condo ein Statussymbol für die Mittelschicht und ein Ende ist (leider?) noch nicht in Sicht.

Die Bauträger dieser Anlagen kann man meist an einer Hand abzählen, denn denen gehört im Grunde schon die halbe Republik.

SM, Ayala, Megaworld, DMCI, Robinsons.

Im Condo wohnen – Die Vorteile

Das Leben im Condo bietet im Grunde ein hotelähnliches Vergnügen. Man mietet oder kauft sich ein meist winziges Apartment, dessen Größe für europäische Vergleiche nahezu lächerlich erscheint. Es gibt einen Sicherheitsdienst, der rund um die Uhr vor Ort ist und auch der Zutritt zum Gebäude ist nicht einfach so möglich. Neben einer Poolanlage und einem Fitnessraum, gibt s eine eigene Haustechnik, Menschen, die sich um die Grünanlagen kümmern und Reinigungskräfte, die den ganzen Tag fleißig versuchen, die Anlage sauber zu halten.

Ja, auch wenn man vollbepackt mit seinen Einkaufstüten im Eingang steht, ist ein Page meist sofort zur Stelle und hilft einem, die Einkäufe in die Wohnung zu tragen. Das hört sich erst einmal ziemlich luxuriös an, oder? Ist es eigentlich auch.

Auch darf man nicht vergessen, dass sich diese Anlagen oftmals in bester Lage befinden und Bahnstationen oder Hauptverkehrsstraßen wie die EDSA meist fußläufig erreichbar sind. Vor allem Menschen, die z.B. am Morgen ans andere Ende der Stadt müssen, haben hierdurch einen klaren Vorteil. – Wenn man es sich leisten kann und mag.

Die Sache hat doch aber sicher einen Haken, oder? Ja, definitiv!

Leben im Condo – die Nachteile

Da es immer mehr Condoanlagen gibt, müssen diese natürlich auch verkauft werden. Hier fängt es schon an. Überall findet man „Property Specialists“, die einem Flyer in die Hand drücken und versuchen, ihre Provision zu verdienen. Meiner Meinung nach ist das Angebot hier wesentlich größer, als die Nachfrage.

Ich gehe sogar so weit und behaupte, dass die Hauptkundschaft nicht die lokale Bevölkerung ist, die es sich meist gar nicht leisten kann, sondern Investoren. Die Investoren sind meist westliche Ausländer, oder Chinesen. Nicht selten jedoch auch OFW (Filipinos, die im Ausland arbeiten).

Ein Großteil der Condos wird auf Plattformen wie Airbnb angeboten, was unter anderem heißt, dass man sich auf wechselnde Nachbarn einstellen kann. Je nach Größe der Anlage, kann es im Haupteingang richtig zur Sache gehen.

Ein weiterer Nachteil sind die teilweise recht strengen Richtlinien. Übernachtungsgäste und Haustiere sind in der Regel nicht erlaubt. Ersteres sicher aus dem Grund, dass sich ansonsten 8 Filipinos eine 20 Quadratmeter große Wohnung teilen würden.

Westlicher Standard? – Fast!

Apropos Größe. Auch wenn die Ausstattung oft dem westlichen Standard entspricht, tut es die Quadratmeterzahl meist nicht. Und glaubt mir, es ist eine große Umstellung. Alles ist beengt. Im Bad kann man sich meist nicht einmal ordentlich abtrocknen, ohne sich zu stoßen.

Man muss bedenken, dass viele Filipinos keine Individualisten sind, sondern mit dem Strom schwimmen. Sie sind ein Rad im Getriebe. So verhält es sich dann oftmals auch mit der Inneneinrichtung – die nicht selten schon zum Teil vom Bauträger zur Verfügung gestellt wird. Damit will ich sagen, dass kaum Platz (im wahrsten Sinne des Wortes) dafür bleibt, sich sein Zuhause individuell einzurichten. Man lebt im Grunde also, wie die anderen 4500 Mietparteien. Klingt ein wenig nach Hasenstall, oder? Ist es auch.

Alternative zum Condo – Es gibt sie

Bei einem durchschnittlichen Mietpreis von gut 20.000 Pesos (um die 340 Euro), mag man eventuell ein paar wenige Abstriche machen. Ist man jedoch nicht daran gebunden, in der Stadt arbeiten zu müssen, würde ich das Leben im Condo bestenfalls als „Soft Landing“ bezeichnen. Sprich, zum Ankommen, ohne einen Kulturschock zu erleiden.

Auf Dauer würde ich hier nicht glücklich werden. Eine bessere und günstigere Alternative wäre hier das Mieten eines Hauses am Stadtrand. Diese sind meist nicht nur fünf Mal so groß, sondern oftmals noch etwas günstiger.

 

Was haltet ihr von Condos? Fluch, oder Segen für die Filipinos?

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