Motorroller kaufen auf den Philippinen – Nur auf Pump

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Der Umzug in eine ländlichere Gegend veranlasste mich dazu, mir einmal Gedanken um die Anschaffung eines Motorrollers zu machen. Da hier Wartung von Fahrzeugen eher vernachlässigt wird, sollte es ein Neufahrzeug sein.

Motorroller kaufen – Ein Versuch

Nach ein wenig Recherche habe mich in ein 125er Modell (Hona Click) verguckt. Den Führerschein hätte ich hinterher umschreiben lassen – erst einmal wollte ich zu einem Händler und mir das Gefährt einmal live ansehen. Also fuhren wir mit dem Tricycle nach Antipolo zu einem Honda-Händler.

Dort angekommen, standen mindestens 10 Fahrzeuge meines Wunschmodells draußen vor der Tür. Der Preis: Knappe 76.000 Pesos. Die Registrierung und einen (Billig)-Helm gibt es dazu.
Ich hatte mich entschieden und wandte mich an den Verkäufer. Von da an, verging mir dann erst einmal die Lust darauf, einen Roller zu kaufen.

Rollerkauf – Barzahlung? Nein!

Die einzige (Keine Barzahlung, keine EC-Karte) Möglichkeit, diesen Roller zu kaufen, war eine Finanzierung. Diese hätte knapp 500 Euro Zinsen auf 3 Jahre gekostet. Eine absolute Frechheit – und dies von einem offiziellen Honda-Händler.

Kopfschüttelnd und leicht wütend, habe ich den Laden wieder verlassen und machte mich auf den Weg nach Hause. Leider ist dies offenbar immer mehr eine gängige Praxis bei hochpreisigeren Artikeln, da diese dadurch mehr verdienen.

Auch kommt noch hinzu, dass Kurierdienste wie Foodpanda, Grab, Lalamove und Angkas boomen und tausende Einheimische sich damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Diese brauchen einen fahrbaren Untersatz und nicht selten haben die Händler mehr Anfragen, als sie bedienen können. Da wird dann nochmals an der Preisschraube gedreht und am Kredit mitverdient.

Kredite, Homecredit und der finanzielle Ruin

Hier im Land wird leider fast alles finanziert. All die unzähligen Neuwagen auf der Straße, ein 50 Euro Elektronikartikel und andere Gegenstände. Warum? Weil die Armut auf den Philippinen enorm groß ist, sie es sich eigentlich nicht leisten können, aber dennoch am Leben des 21. Jahrhunderts teilhaben wollen. Das ist ein fataler Rattenschwanz. die Zinssätze sind hier ebenfalls enorm hoch, da es keine richtige Bonitätsauskunft gibt und Leute von heute auf morgen einfach auf die Straße gesetzt werden.

Nicht selten kommt es vor, dass vor der Genehmigung eines Kreditantrages geprüft wird. Wie gesagt, SCHUFA gibt es hier nicht. Es werden ein oder zwei Mitarbeiter in die Nachbarschaft des Kunden geschickt und es wird offen gefragt. Privatsphäre? Fehlanzeige. Aber Privatsphäre ist hier ein ganz anderes Thema, zu dem ich sicherlich irgendwann noch einmal etwas schreiben werde.

Sollten übrigens mehrere Raten überfällig sein, so kommen genau die Herren nochmal zurück. Um den Artikel eigenhändig wieder einzukassieren. Mahnbescheid und anderer Papierkram ist hier nicht notwendig. 🙂

Kein Roller – und nun?

Tja, nun sitze ich hier noch immer und schreibe, statt mit dem Roller herumzufahren. Die Prioritäten haben sich ein wenig verändert, aber wer weiß, was die Zukunft bringt.

Solltest du selbst auf der suche nach einem fahrbaren Untersatz sein, so kannst du gern einmal im Facebook-Marketplace schauen. Dort sind viele lokale Händler, die meistens sogar wesentlich bessere Konditionen anbieten – und Barzahlung.

Gute Fahrt,

 

Patrick
Ich lebe seit mehr als 2 Jahren auf den Philippinen und berichte regelmäßig über das Leben und schreibe Artikel rund um diesen schönen Inselstaat am Pazifik.